Die Wallfahrt heute - was hat sich verändert?

Wurde die Bagage in früheren Zeiten noch mit Pferd und Wagen oder ‚am Mann’ transportiert, so können die Pilger heute auf ein recht komfortables „Allround-Sorglospaket“ und eine perfekte Organisation zurückgreifen: Ein geschlossener LKW transportiert die Koffer, schwere Taschen und das Handgepäck. Das DRK sorgt für die medizinische Versorgung und die verkehrstechnische Absicherung der Fußgruppe während der gesamten Wallfahrt. Für müde oder fußkranke Pilger steht jederzeit ein Kleinbus zur Verfügung. Auch für Essen und Trinken während der Wallfahrt wird gesorgt. Somit können sich die Pilger ausschließlich auf den Weg, die religiöse Meditation, die Gespräche miteinander und die Gestaltung konzentrieren.

Schließlich wurde zudem die Betreuung mit erfrischenden Getränken während der Wallfahrt zunehmend verbessert. Nachdem die Wichtigkeit regelmäßiger Getränkeaufnahme erkannt wurde, werden nunmehr bei warmer Witterung zwischendurch gekühlte Getränke vom DRK an alle ausgegeben.  

Zum 150-jährigen Jubiläum im Jahre 1987 wurden neue Pilgerbücher herausgegeben und in 1992 durch einen weiteren ‚Lied- und Text-Anhang’ ergänzt.  

Wurden in früheren Jahren keinerlei oder eher sporadische Listen über die Teilnahmen an den Wallfahrten geführt, so gibt es seit 1987 eine detaillierte Statistik, die Grundlage für die inzwischen in Bönninghardt regelmäßig durchgeführte Ehrung langjähriger Wallfahrtsteilnehmer ist. Geehrt werden Teilnehmer, die sich 5 (Kinder), 10, 25, 40, 50, 60 Mal  singend, betend, meditierend und lachend zum Gnadenbild nach Kevelaer aufgemacht haben. Die Jubilare erhalten dort vom pastoralen Begleiter (Präses) und Vorstand unter dem Beifall der Anwesenden zum Dank für die langjährige Treue Urkunden und kleine Präsente/Erinnerungsgeschenke.

Die Teilnehmerentwicklungen: 

1975                91 Personen

1980               136 Personen

1990               145 Personen

2000               148 Personen

2005               154 Personen

2010                195 Personen

2015                208 Personen

2017                190 Personen (im Alter zwischen 9 und 95 Jahren)

Das "Durchschnittsalter" der Pilger stieg von 2002 bis 2015  - auch wegen den großen Anteils von Jugendlichen in 2015 von 46,4 auf 48,6 Jahre. Durchschnittlich nahm jeder Pilger in 2015 bereits rd. 11,6 Mal an einer Fußwallfahrt teil.  

Gingen die Generationen vor uns noch ausschließlich zu Fuß nach Kevelaer, besteht seit einigen Jahrzehnten auch die Möglichkeit, sonntags mit dem Reisebus von  Burgaltendorf über Byfang, Kupferdreh, Heisingen und Frintrop nach Kevelaer zu fahren, sich dort den Pilgern anzuschließen und die Angebote in Kevelaer (Festhochamt in der Basilika, alternativer eigener Gottesdienst der Wallfahrts-gemeinschaft in der ehem. Kapelle der Clemensschwestern, die heute vom Caritas-Verband geführt wird, unter Mitwirkung eines Sponti- Chores, Großer Kreuzweg, Marienvesper) wahrzunehmen. Insbes. für die jüngeren und sangesfreudigen Teilnehmer(innen) wird seit Jahren auch ein ‚Offenes Singen’ im Petrus-Canisius-Saal angeboten.  

Personen, die zwar nicht mehr gut laufen können, jedoch körperlich noch gut drauf sind, treffen sich samstags in der Frühe in Byfang und Umgebung zur „Fahrradwallfahrt“. Die Gruppe trifft am Samstagnachmittag in Kevelaer ein, nimmt an den dortigen Aktionen teil und fährt montags nach dem gemeinsamen Gottesdienst wieder in Richtung Ruhrhalbinsel.  

Ausgehend von einer aus einer Laune heraus durchgeführten „Miss-Kevelaer-Wahl“ treffen sich seitdem die Pilger sonntagabends regelmäßig zum Abendessen und gemütlichen Beisammensein im „Goldenen Schwan“ zum „Pilgerball“.

Nach umfänglicher Beteiligung und Anhörung der Mitglieder erfolgte im Jahr 2006 eine Namensänderung. Der langjährige Name „Bruderschaft Mariens der Trösterin der Betrübten“ wurde in „Kevelaer-Wallfahrtsgemeinschaft, Essen-Byfang“ umbenannt. Eine Satzungsänderung erfolgte im April 2005. Hierin wurde eine präzise Definition der Mitgliedschaft verankert: Danach kann jede Person Mitglied werden, die willens ist, Zweck und Ziele des kirchlichen Vereins anzuerkennen und an deren Verwirklichung mitzuwirken. Bis zum Jahr 2012 war die Gemeinschaft Teil der Pfarrei, zu der sie gehörte. Vor allem aus steuerlichen Gründen wurde in diesem Jahr ein eingetragener Verein "e.V." gegründet.

Zweck und Ziele der Wallfahrtsgemeinschaft sind die jährliche Wallfahrt nach Kevelaer, die Verkündigung Jesu Christi sowie die Verehrung Mariens. Weiterhin verpflichten sich die Mitglieder zur Zahlung eines regelmäßigen Mitgliedsbeitrages (er liegt zzt. bei 12 Euro pro Jahr). Als äußeres Zeichen hat der Vorstand einen neuen Mitgliedsausweis mit dem Kevelaer-Logo entworfen. Dieses Logo wird nun auch von der Wallfahrtsgemeinschaft verwandt. Der Ausweis wird neuen Mitgliedern in der jährlichen Mitgliederversammlung als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit vom Vorstand überreicht.  

Eine geordnete Datei der Mitglieder wird seit dem Jahr 2005 geführt.  

Nicht zuletzt ist dank des Engagements einiger Fachleute ist auch die moderne Technik bei der Wallfahrtsgemeinschaft eingekehrt. Infolge der immer größer werdenden Teilnehmerzahl und der Zunahme der Geräuschbelästigungen durch den nahen Autoverkehr entlang der Pilgerwege werden von den Vorbetern seit 2008 gemietete Funkgeräte genutzt, um eine optimale Verständigung des Prozessionsablaufes sowie der Gebete und Lieder unter den Vorbetern mittels Funkgeräten und Kopfgeschirre („Knopf im Ohr“) zu gewährleisten.  

Zudem gibt es seit 2005 einen Internetauftritt der Wallfahrtsgemeinschaft. Hierdurch können wichtige Informationen über die Kevelaer-Wallfahrtsgemeinschaft und die Wallfahrt selbst aktuell und überregional an die Mitglieder und Interessierte weitergegeben werden. Auch die Anmeldung zur Wallfahrt ist seitdem auch online möglich.  

Wurden jahrzehntelang auf der Wallfahrt die gleichen Gebete gesprochen und dieselben Lieder gesungen, haben sich Ende des vergangenen Jahrhunderts Wallfahrtsteilnehmer(innen) unter der Federführung von Heinz-Werner Sonnenschein daran gemacht, die jährliche Wallfahrt jeweils unter ein besonderes Thema zu stellen. In zahlreichen Vortreffen wird aus dieser Vorbereitungsgruppe heraus jeder Pilgertag thematisch neu gestaltet. Lieder und Texte werden während des Fußweges und in den Kirchen unterwegs gesungen und gebetet. In den Ruhepausen kommen die Gespräche zwischen den Pilgern nicht zu kurz.

Die Wegstrecke wurde lange Zeit durch Ortschaften entlang von belebten Straßen geführt. Da dort ein Beten und Singen aufgrund von Autoverkehr zunehmend unmöglich wurde, hat man neue Strecken gesucht und gefunden, die weitgehend über Rad- und Fußwege sowie über ruhige Nebenstraßen verlaufen.  

Eigene Verpflegung müssen die Pilger nur noch für den ersten Pilgertag mitbringen, da für mittags und abends meist warmes Essen serviert wird. Die Übernachtung in Rheinberg erfolgt haute in der dortigen Sporthalle des Schulzentrums mit Duschen und anderen sanitären Einrichtungen vergleichsweise komfortabel.  

Zunehmend setzte sich die Erkenntnis durch, dass auch entspannte, lustige und lachende Pilger eine christliche Gemeinschaft ausmachen, was sich besonders an den Abenden in Rheinberg bei gutem Wetter vor, oder in der Mensa bei kühlen Getränken , manchmal auch bei einer gemeinsamem Gesangszeit.  

Manches hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert und verbessert. Geblieben ist jedoch die Begeisterung für eine alte Form der Glaubens-, Weg- und Gebetsgemeinschaft. Es gibt Freude und Sehnsüchte nach neuen spirituellen Erfahrungen, nach Begegnungen mit Gleichgesinnten und nach gemeinsamem meditativem Gebet und Gesang; man spürt körperliche Erschöpfung und Entbehrung. Die Wallfahrt bietet eine gelungene Verbindung zwischen alten traditionellen Gebetsformen, neuen geistlichen Liedern, modernen Texten und aktuellen Themen.

Die Wallfahrt bietet neue Impulse für ein öffentliches Bekennen im Glauben, für ein „Danke sagen“ an Gott.

Im Rahmen des „Ewigen Gebetes“ der neuen Pfarrei St. Josef Essen Ruhrhalbinsel führt die Wallfahrtsgemeinschaft eine eigene Gebetsstunde durch.  

Seit vielen Jahrzehnten hält die Wallfahrtsgemeinschaft „Einkehrtage“ ab. Während diese Tage zuvor ausschließlich in Byfang abgehalten und häufig mit dem Präses gestaltet wurden, finden diese Veranstaltungen nun an wechselnden Orten mit zum Teil prominenten Referenten statt. So trifft man sich i.d.R. an einem Sonntag im November beispielsweise in den: Pfarrheimen in Frintrop, Burgaltendorf und Byfang oder auch schon einmal im Essener Dom, um über den Glauben zu reflektieren oder sich in religiösen Themen weiterzubilden.

Als Referenten standen hier u. a. schon Weibischof Grawe und der damalige Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes zur Verfügung.

Als besondere Höhepunkte der Wallfahrtsgeschichte der letzten Jahrzehnte sind Verleihungen von zwei päpstlichen Orden ‚Pro Ecclesia et Pontifice’ (an Heinrich Köther und Peter Hegh) und vier Ehrenzeichen des Bistums Essen (an Monika Berger, Anni Sonnenschein sowie Marianne und Heinz Worring), die sich als langjährige Pilger(innen) besonders für und um unsere Wallfahrt engagiert und verdient gemacht haben.  

Einen weiteren Höhepunkt gibt es aus dem Wallfahrtsjahr 2009 zu vermelden: Nach der vorherigen Zulassungsfeier mit Bischof Genn im bischöflichen Generalvikariat in Essen spendet der damalige Essener Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes zwei bereits erwachsenen langjährigen Pilgern der Wallfahrtsgemeinschaft in Kevelaer das Sakrament der Taufe, Firmung und Eucharistie. Offensichtlich hatte diese Veranstaltung Mut gemacht, denn 2013 haben wir im Festgottesdienst in Kevelaer eine Kindertaufe und 2014 eine diamantene Hochzeit gefeiert.

Zum 175. Jubiläum in 2012 sind die Wallfahrer einmalig wieder ab Byfang bis Kevelaer gepilgert. Es wurde ein neues Pilgerbuch und eine Festschrift herausgegeben.

Haben wir mit der Beschreibung der heutigen Fußwallfahrt nach Kevelaer Ihr Interesse geweckt? Sind Sie neugierig geworden und möchten uns einmal auf einem Teilstück unseres Weges oder sogar an allen fünf Tagen begleiten?  

Dann sprechen Sie den Vorstand einfach an. Er wird sich Ihrer in besonderer Weise annehmen und Ihnen freundliche Mentoren ‚für das erste Mal’ zur Seite stellen.

Wir freuen uns auf Sie!