Die Wallfahrt um 1950

Nach Erzählungen von Peter Hegh, Anni Sonnenschein, Nanni und Heinz Worring

Um 1950 begann die Wallfahrt wie heute freitags mit einer Hl. Messe in Byfang. Vor der Kirche standen zwei Pferdefuhrwerke, welche das schwere Gepäck der Wallfahrer und die Materialkisten der Bruderschaft aufnahmen.  

Nach der Hl. Messe mit Segen gingen wir mit Kreuz und Fahnen ab St. Barbara zu Fuß. Alle Vorbeter (Brudermeister) trugen große Pilgerstäbe. Durch die Verlagerung des Stabes nach rechts oder links wurde der Einsatz zum Gebet oder Gesang gegeben. An der Haltestelle Schwamborn (heute Deipenbecktal) stiegen wir in die damals hier fahrende Straßenbahn. In Steele stiegen wir um in eine andere  Bahn bis zum Berliner Platz. 

Am Berliner Platz stand bereits das Pferdefuhrwerk Hegh, welches das Gepäck der Pilger aufnahm, die erst unterwegs in die Straßenbahn zugestiegen waren. Dort begann dann die eigentliche Fußstrecke und führte zunächst durch das Kruppgelände. Hier mussten 13 Tore durchschritten werden. Über die Altendorfer und Frintroper Str. ging der Weg über Kopfsteinpflaster. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir die St. Josef-Kirche in Frintrop. Dort wurde eine weitere Hl. Messe mit sakramentalem Segen gefeiert und es schlossen sich wie heute weitere Teilnehmer an. 

Auf dem weiteren Fußweg wurden je eine Pause in zwei Oberhausener Gaststätten an der Duisburger Str. und in Duisburg-Hamborn im Café Maus zur Mittagspause eingelegt. In den Gaststätten wurden mitgebrachte Speisen gegessen. Die Pilger bekamen lediglich heißes Wasser für Tee oder Kaffee. Der Weg ging anschließend durch Walsum bis zum Rhein.

Die Fähre Orsoy war noch nicht motorisiert und wurde mit einem Seilzug betrieben. Daher fuhren zunächst die Pilger auf die andere Rheinseite, die Pferdefuhrwerke erst später. In Orsoy gab es die nächste Pause in der Gaststätte Liesenfeld, dort erhielten die Pilger Milch.  

Der Weg führte über die Rheinberger Str. durch Budberg nach Rheinberg. In der dortigen Kirche war auch der Rheinberger Pastor anwesend. Anschließend wurde in einem großen Saal für alle das Nachtquartier aufgeschlagen. Die Frauen zogen sich auf der Bühne um, waschen konnten sie sich dort in kleinen Becken. Die Männer zogen sich draußen um. Am Brunnen konnte sich jeder frisch und sauber machen. Für das Nachtquartier erhielt jeder einen Ballen Stroh. Einige der Pilger hatten auch Privatquartiere. Auch in Rheinberg wurden nur mitgebrachte Speisen gegessen.  

Morgens ging es wie heute weiter über Millingen bis Alpen. Die Pilger gingen in der Regel zunächst zur Beichte.  Danach wurde die Hl. Messe mit Kommunion gefeiert, diese durfte damals aber nur nüchtern empfangen werden. Danach war Pause in der Gaststätte Lindenhof, in der wieder heißes Wasser gereicht und selbst mitgebrachte Speisen gegessen wurden. Wie heute kamen auch hier einige Pilger hinzu. Da damals nur wenige ein Auto besaßen, wurde das mit der Bahn erledigt.  

Bis Bönninghardt lief man zu dieser Zeit sehr langsam, da die Anzahl der Gebete sehr groß war und man alle schaffen wollte. Auch hier wurde wie in jeder Kirche ein sakramentaler Segen erteilt. Der dortige Pastor war so korpulent, dass er die Monstranz auf seinen Bauch stellen konnte. Wie heute ging es danach weiter in Prozessionsformation bis zum Bauernhof.

Die anschließende Strecke war unbefestigt und es wuchs links und rechts des Weges Heidekraut. Da der Weg sehr sandig war, durften die Pilger hier frei gehen. Die Straße bis Kapellen wurde wie heute mit Kreuz und Fahnen begangen. In der Kirche gab es sowohl vor, als auch nach der ausgedehnten Mittagspause einen sakramentalen Segen.  

In der Mittagspause haben die Pilger in einer Gaststätte Wasser erhalten und aßen wieder selbst mitgebrachte Speisen. Nach der Pause wurden zusätzliche Fahnen getragen, die jungen Mädchen trugen weiße Kleider mit Kissen und die Jungen Messdienergewänder. Die Strecke führte über die Straße durch Wetten bis zum Byfanger Kreuz. 

Ab hier gingen Mädchen, Jungen, Frauen und Männer in Reih und Glied, je Straßenseite eine Reihe. Beim Einzug in Kevelaer kam eine Blaskapelle hinzu. Bevor man in die Kerzenkapelle einzog, ging es zunächst 3x um die Gnadenkapelle.

 

  

Die Gepäckausgabe geschah beim Restaurant Drei-Könige (heute Steakhaus). Die Pilger suchten dann ihre Privatquartiere (keine Hotels) auf. Gegessen wurden immer noch die eigenen mitgebrachten Speisen. Samstags gab es abends die große Lichterprozession.  

Da man in Kevelaer kommunizieren, jedoch nicht bis zur Pilgermesse in der Basilika um 10:00 Uhr warten konnte und wollte, gingen alle Pilger bereits um 06:00 Uhr zusätzlich zur Hl. Messe.  Mit dem Bus aus Essen kamen wie heute Tagespilger und für die Fußpilger der wichtige Nachschub an Speisen und Getränken. Nachmittags gab es den großen Kreuzweg. Um 17:00 Uhr wurde vor der Gnadenkapelle gebetet.  

Am Montag fand natürlich vor dem Frühstück die Hl. Messe mit Kommunion statt. Danach wurden alle mitgebrachten Fahnen zum Auszug bis nach Kapellen getragen. In der Heide sammelte man Kräuter, die in Bönninghardt gesegnet wurden.  

Übernachtet wurde wieder in Rheinberg. Dienstags führte der Weg zunächst bis Orsoy. Dort wurde die Hl. Messe gelesen, danach ging es auf dem gleichen Weg wie am Freitag zurück. Die Ankunft in Byfang war erst am Abend.

Im Laufe des Jahres fand 1x im Monat sonntags in St. Barbara eine Bruderschaftsandacht, anschließend in der Gaststätte Schnitzler eine Versammlung statt.